Handout: Kindeswohl/Kindeswohlgefährdung

Der Begriff Kindeswohl ist nicht genau definiert und schwer zu fassen. Als Anhaltspunkte nennt der Gesetzgeber das körperliche, geistige und das seelische Wohl des Kindes, das von den Eltern zu schützen ist.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Achtung seiner Menschenwürde, ein Recht auf Leben und ein Recht auf körperliche Unversehrtheit sowie ein Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit.

In § 1 GG Art. 1 (1) heißt es bekanntlich: Die Würde des Menschen ist unantastbar ...
(verändert: „Sie zu achten und zu schützen ist für alle Menschen gleich verpflichtend“)

Würde, bezeichnet die Eigenschaft und den Besitz einer einzigartigen Seinsbestimmung. Mit dem Begriff der Menschenwürde wird die besondere Seinsbestimmung bezeichnet (Einzigartigkeit), die jeden Menschen oder jedes Individuum von allen anderen Lebewesen unterscheidet.
Das Familiensystem in das ein Mensch hineingeboren wird, ist maßgeblich daran beteiligt, wie sich dieser Mensch im Laufe der Jahre körperlich, geistig und seelisch entwickeln wird (Persönlichkeitsentwicklung).
Hier stehen Eltern in der Pflicht, den Anspruch ihrer Kinder auf Schutz und Fürsorge, die für ihr Wohlergehen erforderlich ist, zu erfüllen.
Für den Fall das Eltern nicht in der Lage oder gewillt sind selbst eine Gefahr vom Kind abzuwenden, wenn dessen Wohl gefährdet ist, kann nach § 1666 BGB das Familiengericht eingreifen und Maßnahmen einleiten, die zur Abwehr der Gefahr erforderlich sind.


4 Dimensionen der Erziehungsfähigkeit

1. Fähigkeit, Bedürfnisse des Kindes nach körperlicher Versorgung und Schutz zu erfüllen
→ Pflege und Versorgung
2. Fähigkeit, dem Kind als stabile und positive Vertrauensperson zu dienen
→ Bindung
3. Fähigkeit dem Kind ein Mindestmaß an Regeln und Werten zu vermitteln
→ Regeln & Werte
4. Fähigkeit, einem Kind grundlegende Lernchancen zu eröffnen
→ Förderung

Kinder und Jugendliche stehen somit unter einem besonderen staatlichen Schutz, vertreten durch das Jugendamt und Familiengericht. Das Jugendamt hat neben Aufgaben der Beratung, Betreuung und Leistungsgewährung den klaren Auftrag über das Wohl des Kindes zu wachen (Wächteramt des Staates).

§ 1631 (2) BGB, Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.

Kinder dürfen also grundsätzlich nicht geschlagen werden. Es ist ganz egal, ob es ein Klaps, eine Ohrfeige oder mehr ist. Schlagen ist schlagen. Und das ist verboten. Darüber dürfen Eltern, Lehrer und andere Erwachsene sich nicht hinwegsetzen.

Ein Kind hat das Bedürfnis nach dauerhaften und verlässlichen Beziehungen. Solche Beziehungen sind wichtig für die Bildung von (Ur-) Vertrauen, Orientierung, Gemeinschafts- und Zugehörigkeitsgefühlen.

4 wichtige Grundbedürfnisse eines Menschen (Klaus Grawe)
1. Bedürfnis nach Bindung: „Ich will anderen Menschen nahe sein und jemanden haben, auf den ich mich verlassen kann.“
2. Bedürfnis nach Autonomie und Orientierung: „Ich will nicht hilflos sein, sondern selbstständig mein Leben auf die Reihe bekommen. Ich erkenne dabei auch die realistischen Grenzen in meiner Umwelt.“
3. Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung: „Ich will stolz auf mich sein können!“
4. Bedürfnis nach Lustgewinn und Unlustvermeidung: „Schöne Dinge will ich suchen und erleben, schmerzhafte und unangenehme Dinge will ich vermeiden.

Gewalt in Partnerschaften und Familien ist kein Phänomen bestimmter „Gesellschaftsschichten“.
Der Begriff Gewalt (althochdeutsch waltan „stark sein, beherrschen“) bezeichnet im Allgemeinen, Handlungen und Vorgänge unter Einsatz von physischem oder psychischem Zwang gegenüber Menschen sowie die physische Einwirkung auf Tiere oder Gegenstände, mit dem Ziel einer beeinflussenden, verändernden oder schädigenden Wirkung. Die Soziologie definiert Gewalt als den Einsatz physischer oder psychischer Mittel, um einer anderen Person gegen ihren Willen a) Schaden zuzufügen, b) sie dem eigenen Willen zu unterwerfen (sie zu beherrschen) oder c) einer solcherart ausgeübten Gewalt durch Gegen-Gewalt zu begegnen.
Der Begriff -Häusliche Gewalt- bezeichnet Gewalttaten, die, zwischen in einem Haushalt zusammen lebenden Menschen ausgeübt werden. Gemeint ist hier insbesondere die Gewalt in Paarbeziehungen und darüber hinaus, eine von Eltern ausgehende Gewalt an Kindern, Gewalt von Kindern ausgehend an Eltern, Gewalt zwischen Geschwistern und Gewalt gegen andere im Haushalt lebende Menschen.

Für Menschen die Gewalt erleiden und glauben diese erdulden zu müssen (häufig bei Kindern und Jugendlichen der Fall), ist Gewalt immer sehr schmerzhaft und belastend. Gewalt tut nicht „nur“ körperlich weh, sondern sie verletzt zudem die Seele eines Menschen. Gewalttätige Erlebnisse wie beispielsweise Angriffe auf die eigene Person und/oder das beiwohnen und beobachten gewalttätiger Szenen im familiären Umfeld geliebter Menschen (z.B. Eskalationen im Streit der Eltern untereinander oder mit einem Geschwisterteil), können extrem stressauslösend sein und Gefühle der Hilflosigkeit, Ohnmacht, Wertlosigkeit und des Entsetzens erzeugen. Insbesondere dann, wenn sich unerwünschte Ereignisse solcher Art wiederholen und die Betroffenen keine Möglichkeit sehen sich der belastenden Situation zu entziehen bzw. das Erlebte adäquat zu verarbeiten, können sich akute und häufig spätere, intensive psychische Symptome zeigen (z.B. Schlafstörungen, Alpträume, psychosomatische Störungen, (selektiver) Mutismus, regressives Einnässen und Einkoten, depressive Verstimmung, Aggressivität, Konzentrations-, Aufmerksamkeits-, und Lernstörungen, Störungen des Sozialverhaltens, sozialer Rückzug und Isolation, Hyperaktivität, Schreckhaftigkeit, Angststörungen, Suizidalität,...).

Der Forschungsbericht „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“ (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e. V. 2009) belegt, dass die Familie in vielerlei Hinsicht prägend für das Sozialverhalten von Kindern und Jugendlichen ist. Danach steigern innerfamiliäre Gewalterfahrungen das Risiko eines Kindes, später selbst zu Gewalt zu greifen, denn die Partnerschaft hat viele psychologische Parallelen zur frühkindlichen Eltern-Kind-Beziehung und wird von dieser entscheidend geprägt.

Die meisten Eltern teilen das Ideal einer gewaltfreien Erziehung. Dennoch wird Gewalt in der Familie oft als Folge erzieherischer Überforderung oder Hilflosigkeit ausgeübt. Vielfach ist deshalb eine Stärkung der elterlichen Kompetenz gefordert, um eine gewaltfreie Erziehung zu erreichen.

Für die „innere Bewertung“ der aktuellen Situation und vorhandener Ressourcen ist die Kenntnis und Anwendung der Bentovim-Kriterien hilfreich:
• Das Ausmaß der Verantwortung, die die Eltern (Sorgeberechtigten) für den Zustand des Kindes übernehmen, sowie die Einsicht, dass eine Veränderung notwendig ist – im Gegensatz zu mangelnder Verantwortung
• Das Ausmaß der Wärme, Empathie und Fähigkeit, die Bedürfnisse des Kindes auch unter Belastung voranzustellen – im Gegensatz zu Abwehr und Schuldzuweisungen an das Kind
• Die Einsicht und Annahme von Hilfe in Bezug auf elterliche und erzieherische Probleme – im Gegensatz zu Verleugnung und Bagatellisierung der Probleme
• Die Flexibilität in Beziehungen und das Potenzial, Lebensmuster zu ändern – im Gegensatz zu Verleugnung und erstarrter Haltung
• Die kooperative Einstellung (der Eltern/Sorgeberechtigten) gegenüber professionellen Helfern – im Gegensatz zu übermäßiger Verbitterung
• Die Verfügbarkeit von Ressourcen im Umfeld der Familie – im Gegensatz zu einer psychosozial und strukturell verarmten Lebensumwelt

Gewalt gegen Kinder und Jugendliche tritt in folgenden Formen auf:

Körperliche Gewalt an Kindern und Jugendlichen wird von Erwachsenen verschiedenartig ausgeübt. Verbreitet sind: Schläge/Prügel mit und ohne Gegenständen, Po schlagen, Ohrfeigen, Kneifen, Treten und Schütteln des Kindes. Zudem werden Stichverletzungen, Vergiftungen, Würgen und Ersticken ebenso wie thermische Verletzungen durch Verbrennen, Verbrühen und Unterkühlen beobachtet. Durch schwere, anhaltende oder wiederholte körperliche Gewaltanwendung kann ein Kind bleibende körperliche, geistige und seelische Schäden davontragen oder in Extremfällen daran sterben.
Dabei ist die Konstitution eines Kindes sowie die Art, Häufigkeit und Intensität der ausgeübten Gewaltanwendung maßgeblich dafür, inwieweit ein Kind zu Schaden kommt. So können also bereits „leichte“ Gewalthandlungen ein Kind nachhaltig schädigen, was eine frühzeitige Intervention unbedingt notwendig macht. Bereits das einmalige Schütteln eines Säuglings (plötzlich durch äußere Gewaltanwendung unkoordiniert herbeigeführte Kopfbewegungen) kann bereits zu schwerwiegenden Halswirbel und/oder Hirnverletzungen führen, die unter Umständen in eine körperliche- und/oder geistige Behinderung münden können.

Seelische Gewalt wird meist in Form von Drohungen, verletzenden verbalen Äußerungen und Redensarten, Zwängen, emotionalem Erpressen oder Liebesentzug sowie Abwendung oder Ablehnung ausgeübt. Unterschieden werden hierbei aktive Formen von feindlich, abweisenden Verhaltensweisen und passive Formen, wie dem Vermeiden und Vorenthalten von Erfahrungen oder Beziehungen, die für eine gesunde emotionale Entwicklung erforderlich sind.
Hinzu kommen ambivalente Verhaltensweisen der Eltern, die das Kind verunsichern und verängstigen. Alle Formen seelischer Gewalt beeinträchtigen die Vertrauensbeziehung zwischen Bezugsperson und Kind und behindern das Kind damit sowohl in seiner geistigen als auch seelischen Entwicklung zu einer autonomen und lebensbejahenden Persönlichkeit. Da ihre Auswirkungen nicht sofort, sondern oftmals erst nach Jahren erkennbar werden, ist seelische Gewalt meist schwieriger zu diagnostizieren als körperliche Misshandlung. In ihrer Schwere sind die Folgen den Schäden von körperlicher Gewaltanwendung aber durchaus vergleichbar. Seelische Gewalt liegt vor, wenn dem Kind ein Gefühl der Ablehnung vermittelt wird. Für das Kind wird es dann besonders schwierig, ein stabiles Selbstbewusstsein aufzubauen. Diese Ablehnung wird ausgedrückt, indem das Kind gedemütigt und herabgesetzt, durch unangemessene Anforderungen an Schulleistungen, sportliche oder künstlerische Anforderungen überfordert oder durch Liebesentzug, Zurücksetzung, Gleichgültigkeit oder Ignoranz bestraft wird. Besonders gravierend sind die Auswirkungen fehlender elterlicher Zuwendung in den frühen Entwicklungsphasen. „Als emotional nicht verfügbar“ ist dabei zum Beispiel das nicht genügende Eingehen auf die Signale des Säuglings und dessen passive Ablehnung zu werten.
Schwerwiegend sind ebenfalls Praktiken, die dem Kind Angst machen: Einsperren in einen dunklen Raum, das Kind über längere Zeit allein lassen, Isolation, Drohungen oder Anbinden des Kindes. Vielfach werden Kinder von ihren Eltern in extrem überzogenem Maße beschimpft oder haben Wutanfälle zu ertragen, die für sie nicht nachvollziehbar sind. Auch ein überbehütendes und überfürsorgliches Verhalten kann zu seelischer Gewalt werden, wenn es beim Kind Empfindungen von Ohnmacht, Wertlosigkeit oder Abhängigkeit erzeugt. Sind Kinder oder Jugendliche gezwungen, wiederholt elterlichen Streitereien oder Gewalthandlungen beizuwohnen oder werden sie in Beziehungskonflikten instrumentalisiert, ist auch dies als eine seelische Gewalthandlung durch die Eltern zu werten.

Vernachlässigung stellt als Unterlassung eine Besonderheit der Kindesmisshandlung dar. Es gibt körperliche, erzieherische und emotionale Formen der Vernachlässigung. Eltern vernachlässigen ihre Kinder, indem sie ihnen Zuwendung, Liebe und Akzeptanz, Betreuung, Schutz und Förderung verweigern, oder indem die Kinder physischen Mangel erleiden müssen. Zum physischen Mangel gehören mangelnde Ernährung, Bekleidung oder Unterkunft, unzureichende Pflege und gesundheitliche Fürsorge bis hin zur völligen Verwahrlosung. Bereits bestimmte Verhaltensweisen während der Schwangerschaft wie Drogenkonsum oder Alkoholmissbrauch können als „pränatale“ gesundheitliche Vernachlässigung gewertet werden.
Die Vernachlässigung ist vor allem ein Problem in dysfunktionalen Familien und meist Ausdruck einer stark beeinträchtigten Beziehung zwischen Eltern und Kind. Häufig werden Kinder vernachlässigt, weil ihre Eltern die Erfordernisse des fürsorglichen Handelns nicht kennen oder zu dieser Thematik keine Einsicht zeigen. Die durch Vernachlässigung bewirkte chronische Unterversorgung des Kindes kann zu gravierenden bleibenden Schäden oder gar zum Tode des Kindes führen.
Besondere Bedeutung haben emotionale Vernachlässigungen in den ersten Lebensmonaten. Eltern, die die emotionalen Grundbedürfnisse ihres Kindes nicht dem Alter angemessen wahrnehmen und fördern, vernachlässigen auch den Aufbau einer stabilen Beziehung und Bindung zu ihrem Kind. Wird das Fläschchen beim Füttern beispielsweise immer nur mechanisch gehalten, ohne das Kind in den Arm zu nehmen und ohne Blickkontakt aufzubauen, bedeutet der permanente Verzicht auf Interaktion und Aufmerksamkeit, dass keine Beziehung besteht. Dies wiederum kann eine mangelnde Stimulierung der kindlichen Entwicklung zur Folge haben. Diese Formen emotionaler Vernachlässigung gehen vor allem auf unzureichende Kompetenzen der Bezugspersonen zurück.
In Deutschland wurden deshalb verstärkt beziehungs- und bindungsorientierte Programme entwickelt, die Eltern darin unterstützen, besser auf die Bedürfnisse ihres Kindes einzugehen.
Vernachlässigung zeichnet sich sehr viel stärker als körperliche Gewalt gegen Kinder durch einen schleichenden Verlauf aus. Dabei benötigen Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Altersabschnitten in jeweils unterschiedlichen Entwicklungs- und Lebensbereichen eine entsprechende Fürsorge und Begleitung. Die Formen der Vernachlässigung unterscheiden sich damit nach dem Alter der Kinder (z. B. kein Spielen mit dem kleinen Kind oder fehlender Einfluss auf den Schulbesuch bei Jugendlichen).

Sexuelle Gewalt ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an sexuellen Aktivitäten, denen sie verantwortlich nicht zustimmen können, weil sie die Tragweite der Handlungen nicht erfassen können. Unter Ausnutzung vorhandener Macht- und Kompetenzgefälle werden Kinder und Jugendliche zur sexuellen Stimulation Erwachsener und zum Schaden der Kinder missbraucht.
Während körperliche oder seelische Gewalt gegen Kinder häufig aus Hilflosigkeit und Überforderung ausgeübt wird, ist die sexuelle Gewalt an Kindern in der Regel ein planvolles, oft über Jahre andauerndes Verhalten, das sich in seiner Intensität allmählich steigert. Die Täter benutzen ihre Macht als Ältere oder ihre Autorität innerhalb eines Abhängigkeitsverhältnisses (als Vater, Lehrer, o. Ä.). Sie üben emotionalen Druck aus, missbrauchen die Loyalität eines Kindes und machen sich das Opfer durch Bestechung mit Geschenken, durch Versprechungen, Erpressungen oder auch mit körperlicher Gewalt gefügig. Viele der erwachsenen Täter und Täterinnen verpflichten oder erpressen die Kinder zum Schweigen über die Gewalt.
Formen sexueller Gewalt sind das Berühren des Kindes an den Geschlechtsorganen, die Aufforderung, den Täter im Genitalbereich zu berühren, Zungenküsse, oraler, vaginaler und analer Geschlechtsverkehr sowie die Penetration mit Fingern oder Gegenständen. Auch Handlungen ohne Körperkontakt wie Exhibitionismus, eine sexuelle Sprache und die Herstellung sowie Vorführung kinderpornografischer Videos sind sexuelle Gewaltakte.


Was Kinder und Jugendliche brauchen

Sieben Grundbedürfnisse von Kindern und Jugendlichen (Brazelton und Greenspan 2008)

Das Bedürfnis nach beständigen liebevollen Beziehungen
Um gedeihen zu können, benötigen Kinder eine warmherzige und verlässliche Beziehung zu erwachsenen Betreuungspersonen. Feinfühligkeit im Umgang mit Kindern bedeutet, ihre Signale wahrzunehmen, sie richtig zu interpretieren und sie angemessen und prompt zu beantworten. Wärme, Feinfühligkeit und Halt machen es Kindern möglich, ihre Gefühle zu spüren und später in Worte zu fassen und auch weiterzugeben. Verlässliche und sichere Beziehungen unterstützen die psychische Entwicklung im Bereich des Denkens, der Sprache, von Wertvorstellungen und sozialen Kompetenzen.

Das Bedürfnis nach körperlicher Unversehrtheit, Sicherheit und Regulation
Kinder brauchen eine gesunde Ernährung, ausreichend Ruhe, Bewegung und Gesundheitsfürsorge (Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen), um gesund aufwachsen zu können. Dazu zählen auch die adäquate Versorgung der Kinder bei auftretenden Krankheiten sowie das Unterlassen aller Formen von Gewalt gegen Kinder, weil diese physische und psychische Verletzungen nach sich ziehen.

Das Bedürfnis nach individuellen Erfahrungen
Jedes Kind ist auf seine Weise einzigartig und braucht Zuwendung und Wertschätzung aufgrund dieser Einzigartigkeit. Manche Kinder sind unruhiger oder aktiver als andere, aufgeschlossener oder auf sich zurückgezogener. Die Kunst der Erwachsenen besteht darin, Kinder mit ihren individuellen Besonderheiten anzunehmen und zu fördern.

Das Bedürfnis nach entwicklungsgerechten Erfahrungen
Erziehungsansprüche und Forderungen der Bezugspersonen sind dem jeweiligen psychischen Entwicklungsstand des Kindes anzupassen: Über- oder Unterforderungen führen zu nicht ausbalancierten Entwicklungsverläufen bzw. psychischer Instabilität von Kindern. Kinder meistern entsprechend ihres Alters unterschiedliche Entwicklungsaufgaben. Sowohl drängendes Fordern als auch überbehütende Haltungen können zu Verzögerungen oder Störungen der intellektuellen, emotionalen und sozialen Entwicklung führen.

Das Bedürfnis nach Grenzen und Strukturen
Klare und wertschätzende Begrenzung und Strukturierung hilft Kindern, sich ihre Umwelt zu erobern und gleichzeitig Gefährdungsmomenten aus dem Weg zu gehen. Durch sinnvolle Grenzsetzung erleichtern Bezugspersonen die Entwicklung der Kinder. Wichtig ist hierbei, dass Grenzsetzung nicht strafend und gewaltsam daherkommt, sondern in einem Aushandlungsprozess zum Verstehen führen kann. Grenzziehungen, die gewaltsam durchgesetzt werden, tragen zu unsicherer, selbstinstabiler Entwicklung der Kinder bei. Grenzen bieten Gelegenheit zum Aushandeln und zum miteinander auseinander setzen. Kinder lernen mit sicherer Rahmung, Räume zu erforschen und mit Herausforderungen umzugehen.

Das Bedürfnis nach stabilen, unterstützenden Gemeinschaften und kultureller Kontinuität
Kinder sind sehr auf ein überschaubares Umfeld wie Kitas, Schulen, Nachbarschaften usw. angewiesen, die zum sozialen Lernfeld werden können. Freundschaftliche Beziehungen zu Gleichaltrigen gewinnen mit dem Wachsen eine zunehmende Bedeutung für eine gesunde psychische Entwicklung. Unterstützende Bedingungen im Umfeld erleichtern die Entwicklung von Selbstsicherheit und Identität.

Das Bedürfnis nach einer sicheren Zukunft
Das Kindeswohl in einer globalisierten Welt hängt zunehmend davon ab, wie es gelingt, Bedingungen für sichere Perspektiven von Menschen weltweit zu schaffen. Hier geht es um Verantwortung von Gesellschaft und Politik.
 
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